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Pflegereform

Mit großem Zuspruch durch die etablierten Parteien hat die Landesregierung von NRW ein neues Pflegegesetz verabschiedet (GEPA).
In meinen Augen ist es nichts weiter als die Kapitulation der Regierenden vor der Wirklichkeit. Nicht erst seit gestern ist klar, dass wir eine älter werdende Gesellschaft sind. Die Zahl der Bürger über 65 wird sich in den nächsten Jahren verdoppeln, sogar fast verdreifachen. Dass es zukünftig mehr zu pflegende Personen geben würde, hat die Politik so lange wie möglich verdrängt.

Mit einem PR-Trick versucht man nun zu übertünchen, dass sich der Staat aus seiner Verantwortung davonschleicht und diese Verantwortung zurück gibt an den einzelnen Betroffenen bzw. seine Angehörigen. Mehr Lebensqualität durch Individualisierung.

Was nichts anderes heißt als: Seht zu wie ihr zurechtkommt, wir können euch nicht mehr helfen.

Die Kommunen und Kreise sind zukünftig nur noch Kontrolleur und Informationsgeber.

Wer nicht die finanziellen Mittel hat, um die eigene Lebensqualität dem eigenen Gesundheitszustand anzupassen, hat halt Pesch gehabt.
Warum hat er/sie nicht mit seinem/ihrem Mindestlohngehalt frühzeitig fürs Alter vorgesorgt?
Warum hat er/sie nicht für genügend Nachwuchs gesorgt, der jetzt als Aushilfpfleger dienen könnte und so die Staatskasse schont?

Mit diesem grundsätzlichen Eingeständnis des eigenen Unvermögens aber nicht genug.
Gleichzeitig werden vorhandene und zukünftige Strukturen in einer Weise gegängelt, dass man glauben könnte, die Überflussgesellschaft sei neu entstanden. Von der Vorgabe, wie viele Sekunden der Waschlappen eines Pflegers über das Gesicht eines Seniors streichen darf bis hin zu der Vorstellung, dass Pflegezimmer mit Nordblick zu vermeiden sind, ist alles reglementiert.

Die Tatsache, dass durch die neuen Vorschriften (je nach Interessenvertretung) zwischen 20.000 und 6.000 Pflegeplätze in NRW per Federstrich entfallen und ganze Senioreneinrichtungen in Existenznot geraten, hat niemand irritiert.

Die Entscheidungsträger haben ja - Dank guter Altersversorgung - kein Problem sich in eine der teuren, privaten Seniorenresidenzen einzukaufen.
Der billige Rest, der sich den Umbau des Eigenheims oder den Einkauf in eine Alten-WG nicht leisten kann, weil sie beispielsweise überhaupt kein Eigentum haben, wird den Helfern der Tafel oder anderer ehrenamtlichen Solidargemeinschaften überlassen.

Danke Landesregierung, wir haben - leider - auch nichts anderes erwartet.

Jürgen Karad, Lohmar
04.10.2014

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