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Neue Bewertungskriterien für Pflegeeinrichtungen

von Jürgen Karad, Lohmar 2019

Pflege TÜV

Die Bewertung von Pflegeheimen ist ein viel diskutiertes Thema und für viele sicherlich ein wesentliches Auswahlkriterium bei der Suche nach einem Pflegeplatz. Ab 1. Juli 2019 gibt es neue Regeln.
Diese müssen vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) als Prüfinstanz beachtet und umgesetzt werden.
Worum geht es dabei?
Die jetzt vereinbarten Prüfrichtlinien, hier als „Pflege-TÜV“ charakterisiert, sind erforderlich, um eine einheitliche Prüfung und Bewertung zu ermöglichen. Die Richtlinien bestimmen, wie die Prüfungen in den Heimen durchgeführt werden sollen. Sie legen insbesondere fest, welche Maßstäbe angelegt werden und wie die Ergebnisse dann zu bewerten sind.
Diese Maßstäbe bei der Prüfung wurden in fünf Hauptbereiche aufgeteilt. Zu jedem der Bereiche gibt es einzelne Bewertungsmaßstäbe, (Kriterien), die vom MDK zu bewerten sind.
Diese einzelnen Kriterien sind dann Fragen wie diese:
Entspricht die Medikamentenversorgung den ärztlichen Anordnungen?
Werden erforderliche (Dekubitus-) Prophylaxen durchgeführt?
Ist die Flüssigkeitsversorgung angemessen im Rahmen der Einwirkungsmöglichkeiten der Einrichtung?
Wird die Pflege im Regelfall von denselben Pflegekräften durchgeführt?
Wird bei Bewohnern mit Demenz die Biographie des Heimbewohners beachtet und bei der Tagesgestaltung berücksichtigt?
Gibt es Maßnahmen zur Kontaktpflege zu den Angehörigen?
Ist die Gestaltung der Bewohnerzimmer z. B. mit eigenen Möbeln, persönlichen Gegenständen und Erinnerungsstücken sowie die Entscheidung über ihre Platzierung möglich?
Kann der Zeitpunkt des Essens im Rahmen bestimmter Zeitkorridore frei gewählt werden?
Werden Speisen und Getränke in für die Bewohner angenehmen Räumlichkeiten und entspannter Atmosphäre angeboten?

Die fünf Bereiche und die Anzahl der Kriterien in diesen Bereichen:
1. Pflege und medizinische Versorgung 35 Kriterien,
2. Umgang mit demenzkranken Bewohnern 10 Kriterien,
3. Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung 10 Kriterien,
4. Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene 9 Kriterien.
Zusammen demnach 64 Qualitätskriterien.
5. Befragung der Bewohner zusätzlich 18 Kriterien.
Zusammen also 82 Qualitätskriterien.

Jedes einzelne der 64 Kriterien der ersten vier Bereiche erhält eine Einzelbewertung auf einer Skala von 0 bis 10. Dabei ist 0 die schlechteste und 10 die beste Bewertung.
Für jeden der fünf Qualitätsbereiche wird als Bereichsbewertung der Durchschnitt der Bewertungen der einzelnen Kriterien in diesem Bereich ausgewiesen.
Das Gesamt-Qualitätsurteil für das Pflegeheim ist dann der Durchschnitt der Bewertung der ersten vier Bereiche.

Der Streit geht jetzt darum, dass hier einzelne gute Noten ein positives Gesamtbild ergeben können, obwohl in wichtigen Einzelpunkten nur eine sehr schlechte Bewertung erreicht werden konnte.
Quasi das „Sehr gut“ in Sport gleicht das „Mangelhaft“ in Deutsch aus. Also könnten gute Werte in den eher pflegetechnischen und verwaltungsbezogenen Kriterien einen schlechten menschlichen Umgang ausgleichen.
Die Gesamtnote ist demnach nur von geringer Aussagekraft. Die Frage für den Suchenden lautet m.E.: Was ist mir wichtig in einer solchen Einrichtung?
Ist mir beispielsweise die soziale Betreuung wichtig oder die medizinische Versorgung?
D.h. der Einstieg in die Einzelbenotung kann entscheidend sein.

Meine Meinung:
Die Richtlinie für die Qualitätsprüfung in vollstationären Einrichtungen umfasst nicht weniger als 148 Seiten. Die eigentlichen Prüfbögen umfassen alleine 94 Seiten.
Diese müssen von der Pflegeeinrichtung ausgefüllt und gepflegt werden. Für diese Arbeiten erhalten die Pflegeeinrichtungen weder spezielles Personal noch Kostenerstattung.
Die normale Arbeit mit den zu pflegenden Personen bleibt logischerweise auf der Strecke. Das interessiert die Statistiker in den Bürokratien aber nicht.
Wir klagen in den Einrichtungen über Fachkräftemangel und über fehlende Pflegeplätze. An Statistiken und Kontrollbelegen ist dagegen kein Mangel.
Zudem: Auf einem Markt, auf dem der zu Pflegende sich einen Pflegeplatz aussuchen kann, ist das Instrument der Qualitätsprüfung sicherlich ein sinnvolles Entscheidungskriterium. Für pflegende Angehörige, die einen Pflegeplatz dringend suchen und in erreichbarem Umkreis nur zufällig einen freien Platz finden, weil Pflegeplätze Mangelware sind, wird die Frage, ob einen Einrichtung seine Statistiken sauber gepflegt hat, nur geringe Relevanz haben.
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1) Quelle: https://www.pflegeverantwortung.de/pflege-wiki-sonstiges/pflege-tuev/


Jürgen Karad 23.10.2019

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