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Ortsbegehungen der Seniorenvertretung Lohmar 2016/2017

Ergebnisse der Untersuchung
von Jürgen Karad, Stellvertretender Vorsitzender der Seniorenvertretung Lohmar
Älter werden im ländlichen Raum - Solidarität gefordert

Die Seniorenvertretung hat unter Beteiligung des Behindertenbeirats anhand von 16 kleinen Ortsteilen von Lohmar untersucht, wie es mit der Alten- und Behindertengerechtigkeit in diesen Orten bestellt ist, in denen in naher Zukunft immerhin 30 bis zu 50 % der Bewohner über 60 Jahre alt sein werden.
Die Ergebnisse zeugen von dem teilweise dramatischen Wandel im Infrastruktur- und Versorgungssektor. Zeugen aber auch davon, dass dörfliches Zusammenleben durchaus funktionieren kann.
Es ist keine neue Erkenntnis, dass der ländliche Raum und die dort lebenden Menschen gegenüber den Bewohnern von Wirtschaftszentren benachteiligt waren und sind.

Wer vor 40 bis 50 Jahren in die Randbezirke gezogen ist, hat in der Regel darauf vertrauen können, dass dort zumindest die Grundversorgung gesichert war. Für alles andere hatte man ja ein Fahrzeug und konnte die übrigen Dinge ins Dorf mitbringen. Inzwischen sind diese "Neulohmarer" in einem Alter, in dem man über die Rückgabe des eigenen Führerscheins nachdenkt. Gleichzeitig ist die örtliche Infrastruktur praktisch vollständig weggebrochen.
Diese - inzwischen - Altlohmarer bedürfen unsere Unterstützung, denn sie konnten bei ihrer Entscheidung für Lohmar nicht voraussehen, dass sie irgendwann im Niemandsland festsitzen.
Wer heute in die dörfliche Umgebung seinen Wohnsitz verlegt, weil es dort noch bezahlbare Grundstücke und Wohnungen gibt, und nicht sieht oder sehen will, dass er eines Tages nicht mehr mit dem eigenen Auto den Infrastruktur- und Dienstleistungsmangel ausgleichen kann, der ist selbst schuld. Das wird vor allem die Treffen, die ihren Wohnort nur als Schlafplatz sehen und kein Interesse am dörflichen Leben haben. Die Bedeutung von "man kennt sich - man hilft sich" bleibt ihnen verschlossen.

Die Ortsbegehungen haben jedenfalls unsere Sorgen bestätigt: Die Seniorenvertretung ist sich bewusst, dass sich viele der aufgezeigten Probleme nur auf lange Sicht lösen lassen, wenn überhaupt. Nachbarschaftliche Solidarität zu erhalten oder zu schaffen wird als eine wichtige Zukunftsaufgabe der Seniorenvertretung gesehen. Die Seniorenvertretung betrachtet dies als zukunftsgerichtete Schlüsselaufgabe.
Dies kann aus unserer Sicht nur gelingen, wenn Ehrenamt und Hauptamt zusammenarbeiten.
Wer beispielsweise ein Straßenfest organisieren will, wird bald feststellen, dass es eine Menge bürokratischer Hindernisse und Vorschriften zu überwinden gilt. Hier ist das Fachwissen der Stadtverwaltung gefordert, die jenes Wissen ausgleichen kann, das den Aktiven vor Ort fehlt. Ein fester, städtischer Ansprechpartner hilft und motiviert, beseitigt scheinbar unüberwindbare Hindernisse und ist auch noch da, wenn engagierte Ehrenamtler nicht mehr tätig sein wollen oder können.
Nachbarschaftliche Solidarität lässt sich nur in der Kombination von Fachwissen und ehrenamtlichem Engagement langfristig festigen. Ohne den notwendigen politischen Willen werden entsprechende Initiativen aber bald wieder versanden.

JK, Lohmar, Nov. 2017
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