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Investieren in Asien
- China ist nicht alles -

von
Jürgen Karad
Lohmar, den 25. August 2009

Wer den asiatischen Wirtschaftsraum betrachtet, kommt an China als dem mächtigsten Markt nicht vorbei. Aber es gibt auch Alternativen, nicht nur in Asien.
Dabei kommt es vor allem auf die eigene Zielsetzung an:

Was wird gesucht?
1. Produktionsstandort,
2. Absatzmarkt oder
3. eine Kombination aus beiden Ansätzen.

1. Produktionsstandort Asien

Wurde China in der Vergangenheit oft als die verlängerte Werkbank europäischer Unternehmen angesehen, um Produkte dort ganz oder teilweise zu produzieren bzw. produzieren zu lassen, so ist diese Sichtweise heute nur noch teilweise gültig. Vor allem durch die steigenden Produktionskosten und die Billigkonkurrenz aus den Nachbarstaaten.

Bruttoarbeitslöhne in Asien 2008

in US Dollar

 

 

 

 

China

angelernte Arbeiter

Facharbeiter

Peking

307

425

 

 

 

Shenzhen

160

263

 

 

 

Chongqing

200

250

 

 

 

Indien

 

 

Neu-Delhi

134

312

 

 

 

Indonesien

 

 

Jakarta

125

262

 

 

 

Vietnam

 

 

Hanoi

70

126

 

 

 

Bangladesch

 

Dhaka

44

68

 

 

 

Myanmar

 

 

Rangun

28

48


Quelle: DEinternational

Wie die Aufstellung über Bruttolöhne verschiedener Standorte für 2008 zeigt, besteht ein starkes Gefälle zwischen Spitzenreiter Peking und beispielsweise Rangun. Lohnkosten sind aber in der Regel nur ein Baustein bei der Entscheidungsfindung. Allerdings ist erkennbar, dass selbst chinesische Unternehmen den Niedrigstlohn in benachbarten Regionen ausnutzen.
Von dieser Entwicklung hat z.B. Vietnam profitiert. Aber auch innerhalb Chinas lassen sich Verschiebungen erkennen.

2. Absatzmarkt

Als Absatzmarkt kommt man an China nicht vorbei.
Doch Vorsicht bei der Betrachtung der beeindruckenden Gesamtzahlen:
China Bevölkerung: 1,3 Mrd., Größe: 9,5 Mio. qkm, BIP 2008 7.916,4 Mrd. USD (laut AA: 4.319 Mrd. USD). Legt man diese Gesamtstatistik einmal auf Kopfzahlen um, so gewinnen benachbarte Regionen der ASEAN-Staaten an Charm, auch wenn die Gesamtgrößen mit China nicht mithalten können: BIP ASEAN-Staaten, einschl. Vietnam 2.657,6 Mrd. USD in 2008 (Quelle: DEinternational).
Bei der Umrechnung auf pro Kopf-Zahlen führt China zwar immer noch mit 5.962,7 USD in 2008 (AA: sagt 3.272 USD), mit 5.280,7 USD pro Kopf (Quelle: DEinternational) sind die ASEAN-Staaten aber nicht mehr so weit von China entfernt.

Prof. Sandschneider bezeichnet dies als die "Zahlenfalle", der man schnell erliegen kann.
Gute Beratung, wie wir sie für und in China unseren Kunden anbieten, vermeidet selbstverständlich diese einfache Betrachtungsweise.
(Siehe auch: Beratungsangebot: JKI sowie unseres Partners: Polymaxgroup, Ningbo/Shanghai)

Andere Problemfelder sind mittel- und langfristig nicht so einfach einzuordnen. Das jung, dynamisch erscheinende China wird bald ein gewaltiges Alterungsproblem haben. Aber davon kann Deutschland ja auch ein Lied singen.
Auch die Tatsache, dass die Umwelt nicht unendlich belastbar und Trinkwasser für alle ein Grundbedürfnis darstellen, sollte nicht ohne Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft bleiben.
Politische Stabilität, nachvollziehbare rechtliche Rahmenregelungen sind weitere, schwerwiegende Stichpunkte, die nur teilweise für China sprechen. Die Unruhen in den Randregionen (Stichwort: 55 Minoritätengruppen), das Pulverfass Korea, die Unterdrückung von Menschenrechten in den Feudalstaaten zeugen von den Unsicherheiten bei der weiteren Entwicklung.

Die allgegenwärtige Korruption ist eine unübersehbare Belastung. Europäische Firmen, die mit scheinheiligen Antikorruptionskampagnen ihr Image hierzulande aufbessern wollen, werden in Asien von der Korruptionswelle einfach zur Seite gespült. Ausweichstrategien sind gefragt, die auch der teutonischen Nabelschaubetrachtung Stand halten.

Auch wenn ich in dieser Frage als ausgemachter Pessimist erscheine: Noch immer gibt es in China einen kommunistischen Kader, der die derzeitige wirtschaftliche, turbokapitalistische Entwicklung nur als eine Zwischenlösung auf dem Weg in ihr idealistisches Gesellschaftsmodell betrachten.
((Siehe auch: J. Karad, "China - Ein Wandelungsprozess mit ungewissem Ausgang", 11.2007 ). Der sich anbahnende Wertekonflikt ist m.E. noch keinesfalls ausgestanden.

Selbstverständlich gibt es auch zahlreiche Argumente, die für ein Engagement in China selbst sprechen. So z.B. die wachsende Kaufkraft, zumindest der Küstenregion, der zunehmende Bildungsstand, Verbesserung der Infrastruktur, eigen Forschung und Entwicklung. Verbesserungen im Arbeitsrecht, das die Konkurrenzfähigkeit vieler Unternehmen in China in ausländischem Besitz erhöht, die - im Gegensatz zu ihren inländischen Konkurrenten - schon immer andere Maßstäbe beim Umgang mit Mitarbeitern angelegt haben. (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Aus meiner Sicht ein großes Plus:
China hat erkannt, dass die Beherrschung der Rohstoffquellen eine wichtige Basis für den Bestand und die Fortentwicklung der eigenen Gesellschaft sind. Hier zeigt sich der Vorteil der Staatswirtschaft. (Verbunden mit unglaublichen Währungsreserven.)
Auch wenn der Bau einer Eisenbahnlinie irgendwo in Afrika kurzfristig ein Zuschussgeschäft zu sein scheint, langfristig ermöglicht es den Zugang zu wichtigen Rohstoffquellen. Hier entstehen neue Allianzen abseits der "Alten Welt". Gleichzeitig werden erhebliche Mittel in den Erhalt und den Ausbau des Militärs gesteckt. Für die Unterdrückung der eigenen Bevölkerung ist diese Streitmacht sicherlich völlig überdimensioniert.

China ist als Markt schon durch seine Größe und Vielfalt von Interesse.
Wer - gegebenenfalls mit Unterstützung unseres Beratungsteams - die Landesgrenzen, die Bürokratie und letztlich die Korruption überwunden bzw. verinnerlicht hat, dem bietet dieses Land unendliche Chancen. Wie jede unternehmerische Tätigkeit ob im Inland oder im Ausland aber auch Risiken.

Noch immer sind die Entscheidungen des Zentralkomitees geheime Kommandosache. Deshalb ist die Frage, zu welchen Bedingungen man seine Produkte nach China exportieren darf, in der Regel nur tagesaktuell zu entscheiden.
Die Vorgehensweise bei der Vergabe von Aufträgen aus dem chinesischen Konjunkturprogramm sind eindeutig nationalistisch orientiert. Nur neueste Technologie, über die die Volksrepublik noch nicht verfügt, hat eine Chance vom großen Kuchen etwas abzubekommen.

3. Produzieren und verkaufen in China

Nachdem es in China ausländischen Unternehmen inzwischen erlaubt ist, 100%ige Töchter zu gründen und damit die Auseinandersetzung mit höchst dubiosen, erzwungenen Joint-venture-Partnern umgangen werden kann, ist dies eine interessante Perspektive. Auch hier gilt das kaufmännische Vorsichtsprinzip. Engagement auf Vorstands- bzw. Unternehmerebene, Geduld, ein langer Atem, keine Angst vor Rückschlägen, Nutzung der Erfahrung anderer, kritische Distanz und eine zurückhaltende Einschätzung der Marktsituation sowie der Marktpartner vor Ort sind Grundlage jeder Expansionsbemühungen - auch für China.

4. Schlussbemerkung

Wer als Europäer nach China geht, um dort wirtschaftlichen Erfolg zu kreieren, muss wissen, dass er eine andere Welt vorfindet und er der Ausländer, der Barbar, ist, den man auf der Strasse erkennt und voller Misstrauen begegnet. Wen es trotzdem mit seinem Unternehmen in die Welt hinaus zieht, der sei nur daran erinnert, dass es auf dieser Welt noch unendlich viele andere Zielgebiete gibt, in denen man Erfolg haben kann und die unserer Vorstellung von Lebensplanung weit eher entsprechen.

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