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EZB-Roulette -
Politik und Banken Hand in Hand

„Anfang März 2015 begann das größte geldpolitische Experiment in der Geschichte des Euro: Die Europäische Zentralbank kauft im großen Stil Anleihen europäischer Staaten auf. Monatlich will die Notenbank dafür 60 Milliarden Euro ausgeben, das soll sich bis Ende September 2016 auf den kaum vorstellbaren Betrag von 1,14 Billionen Euro summieren.“ (FAZ vom 09.03.2015)

Freuen wir uns darauf, dass Geldspekulanten und Staatsverschulder nun neues Spielgeld in gigantischem Ausmaß in die Hand bekommen, um die reale Welt in den Abgrund zu treiben.
Ziel soll es sein, die Inflation anzuregen.
Wer braucht schon Inflation?

Niemand, der ein mehr oder weniger geregeltes Einkommen hat und in fünf Jahren für seine Grundnahrungsmittel nicht mehr bezahlen möchte als heute.
Kein Kleinsparer, der in 10 Jahren noch das gleiche Konsumziel hat wie heute.
Kein Rentner, der heute schon am Existenzminimum lebt.
Kein Mieter, dessen Wohnung an einen Inflationsindex angekoppelt ist.
Im Prinzip niemand, der ein gleichbleibendes Einkommen hat.

Inflation brauchen diejenigen, die noch immer daran glauben, dass Wachstum das alleinige Allheilmittel für alle ökonomischen Probleme dieser Welt sind. Schon heute werden mehr Ressourcen verbraucht als die Welt hergibt. Wachstum kann demnach nur entstehen, indem man Inflation als Scheinwachstum ausgibt.

Was berechtigt eine Zentralbank dazu, mit einem geldpolitischem Experiment das Leben von Millionen von Bürgern Europas zu erschweren und das auch noch in voller Absicht?

Warum empört sich niemand? Das Essay von Stéphane Hessel haben zwar viele gelesen, doch über die Summe von 1,14 Billionen Euro regt sich kaum jemand auf. Vielleicht weil die Summe unvorstellbar ist?

Die Europäische Zentralbank nimmt zudem billigend in kauf, dass sich die Wechselkurse wegen der Geldflut verändern. Waren, die aus dem nicht Euro-Raum kommen, werden teurer. Exporte verbilligen sich.
Die steigenden Benzinpreise sind ein deutliches Signal für den „Erfolg“ der Maßnahme. Kaffee und andere Rohstoffe werden folgen. Deutschland ist fast Exportweltmeister. Einen zusätzlichen Schub benötigt dieses Land nicht. Internationale Konkurrenz wird das Leben zusätzlich schwer gemacht. Wozu?

Das zusätzliche Geld soll Banken veranlassen, mehr Kredite zu vergeben.
Das ist lächerlich oder bewusst blauäugig!

Gehen Sie doch mal zu Ihrer Bank und fragen z.B. nach der Finanzierung eines Erweiterungsbaus für Ihr mittelständisches Unternehmen. Die Erfolgswahrscheinlichkeit ist sehr gering, weil die Kreditvergabe an Private an besondere Bedingungen geknüpft ist. Es sei hier nur an Basel II und Basel III mit ihren strengen Auflagen erinnert. Aber auch die internen Kontrollen und die Revisionsabteilungen veranlassen den Kreditsachbearbeiter zu besonderer Zurückhaltung. Die Geldflut kommt hier bestimmt nicht an.

Wo bleibt demnach das ganze Geld?
Letztendlich dorthin wo es immer hingeht. In die Hände von Zocker und Spekulanten, die gar nicht mehr wissen, was sie mit dem Geld anfangen sollen. Aus „Verzweiflung“ kaufen sie Aktien. Der Index steigt und steigt, ohne dass der eigentliche Wert, der hinter den Aktien stehen sollte, auch nur noch halbwegs angemessen repräsentiert wird.
Wenn Geldhändler das 5 bis 10fache einer Bundeskanzlerin verdienen, weil man ihre Gier beflügelt statt bremst, dann kann man doch mit Fug und Recht behaupten, das ganze System ist krank!

Ich hätte einen einfachen Vorschlag: Die riesige Summe sollte dafür verwendet werden, um Arbeitsplätze – insbesondere in Südeuropa - zu schaffen. Stellt doch mehr Polizisten ein, Steuerfahnder, Krankenpfleger, Kindergärtner, Müllfahrer usw. Da gibt es sicherlich eine Vielzahl von sinnvollen Möglichkeiten, die riesige Summe zu verpulvern. All diese Leute sorgen mit ihrem Konsum und ihren Steuern dann für eine Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Situation, brauchen keine Transferleistungen von ihrem maroden Staat, sondern entlasten diesen sogar. Verhindern auf diese Weise, dass Export- und Importunternehmen ohne Not in Schwierigkeiten kommen oder unnötige Vorteile haben. So würde verhindert, dass Spekulationsblasen entstehen, dass Banken auf einem Geldberg sitzen bleiben oder Investmentbanker überzogene Risiken zulasten anderer eingehen.

Aber Vorsicht vor einfachen Vorschlägen!
Deutsche Bedenkenträger hassen einfache Lösungen. Man muss sich nur die Gesetze der letzten Jahre ansehen, um das zu verstehen.

Jürgen Karad

Lohmar, 13.03.2015

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